Sensomotorisches Lernen

Speziell bei Kindern ist eine wunderbare Lernmethode zu betrachten, die eine Grundlage für jedes weitere Lernen und Entwickeln gibt.

Kinder sind Meister darin, sich in ihrem Tun auf sich selbst, auf die eigenen sensomotorischen Erfahrungen zu konzentrieren.

Wenn sie z.B. mit ihren eigenen Gliedmaßen spielen, wenn sie auf dem Boden sitzen oder liegen und kleine Ortsveränderungen vornehmen, wenn sie versuchen irgendwo raufzuklettern, aber auch wenn sie an etwas knabbern, wenn sie einen neuen Geschmack kennen lernen, die Konsistenz einer Frucht durch Kauen erforschen … immer sind sie in solchen Situationen konzentriert am Lernen.

Bemerkenswert ist dabei die Konzentration und Selbstvergessenheit, mit der Kinder bei der Sache sein können. Auf diese Weise gelingt es ihnen, Erfahrungen zu machen, diese in ihre kindliche Erfahrungswelt einzuordnen, sich sozusagen ein Bild ihrer Welt zu schaffen und dieses Bild immer weiter auszubauen. (Bildung, sich bilden hat damit zutun).

Älteren Kindern geht diese Fähigkeit zur Konzentration auf die eigenen inneren sensomotorischen Erfahrungen bei jedwedem Tun leider in zunehmendem Maß verloren, bis dann bei Jugendlichen und Erwachsenen oft die Vorstellung entstanden ist, dass Lernen von außen kommen muss, und dass es hauptsächlich an definierten Lernorten (Schulen) geschieht.

Selbstverständlich können Menschen (egal welchen Alters) nicht nur allein lernen. Es braucht die Interaktion mit anderen Menschen, um im eigenen Lernen, in der eigenen Entwicklung weiter zu kommen.

Wieder wird das bei Kindern ganz besonders gut deutlich, wenn sie z. B. mit der Mutter, dem Vater, oder Geschwistern spielen, deren Gesichtsausdruck und Geräusche nachahmen, sich gemeinsam mit ihnen bewegen …

Dieses interaktive spielen/lernen/bewegen/austauschen ist kein gesteuertes Lernen oder Antrainieren von irgendwelchen bestimmten Fähigkeiten, sondern ein für beide gewinnbringender Dialog.

Im besten Fall ist es die Gestaltung einer interessanten, herausfordernden Lernumgebung, in der die LernpartnerInnen (Eltern, Familienhelferinnen …) dem Kind Rückmeldung geben und es so in seinem eigenen selbst bestimmten und selbst gesteuerten Lernen unterstützen.

Wahrnehmen und die eigenen Wahrnehmungen reflektieren und kognitiv verarbeiten ermöglicht, Unterscheidungen treffen zu können. Unterscheiden können ist wiederum Voraussetzung dafür, selbstverantwortlich entscheiden zu können.

Diese Fähigkeit zum Unterscheiden und Entscheiden und letztendlich Verantwortung für sich, das eigene Tun zu übernehmen verlangt konzentrierte Arbeit an sich selbst. Lehrende können dafür Unterstützung geben, diese Arbeit den einzelnen aber nicht abnehmen.

Sich der eigenen sensomotorischen Erfahrungen im Alltag und besonders auch in der Pflegearbeit bewusst zu sein oder zu lernen, sich ihrer zunehmend bewusst zu werden, ist eine gewinnbringende Lernmethode für alle, die in einem Pflege- oder Betreuungsberuf arbeiten.

Diese Fähigkeit ermöglicht es, kompetente Interaktions- und dadurch Lernpartnerin für Menschen zu sein, die Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Aktivitäten brauchen. Weil es dabei auch immer um das Wahrnehmen und Ernstnehmen der eigenen Erfahrungen geht, ist diese Fähigkeit auch eine Grundlage für selbst verantwortliches Handeln.

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