Singen und interkulturelle Begegnung

Anfang Jänner war die Chorgemeinschaft Freistadt zu Gast in der Moschee. Es war ein sehr schöner und harmonischer Abend. Abgesehen davon, dass wir von der Chorgemeinschaft für die muslimischen Gemeindemitglieder Lieder aus unserem Repertoire sangen, fühlten wir uns selber reich beschenkt.

Zuerst nahm sich der Imam für uns Zeit und rezitierte für uns im Gebetsraum Verse aus dem Koran. Dann wurde uns vom Gemeindevorsteher Verschiedenstes erklärt und auftretende Fragen wurden besprochen.

Danach (nachdem wir gesungen hatten) freuten wir uns über die Bewirtung mit für uns besonderen Köstlichkeiten aus der türkischen Küche. Dann blieb genug Zeit für den persönlichen Austausch.

Zum Schluss konnten wir uns gegenseitig vom Herzen bestätigen, wie Gewinn bringend und entspannt diese Begegnung für uns war, und wie froh wir über den gemeinsamen Abend waren. So (scheinbar) einfach kann interkulturelle Begegnung sein.

Die Vorgeschichte:

Zwischen einzelnen Chorsängerinnen und manchen Muslimas gab es schon seit längerer Zeit persönlichen Kontakt.

Da 2008 das Jahr des Interkulturellen Dialogs begangen wurde, war es naheliegend, dass ein Chor, der sich auch als Kulturträger versteht, und in bescheidenem Ausmaß von der öffentlichen Hand unterstützt wird, einen Beitrag zur Begegnung mit Menschen aus der eigenen Stadt leistet, die als anders erlebt werden. Mit denen man nicht so leicht und selbstverständlich zusammen kommt.

Die Idee war, dorthin zu gehen, wo diese Menschen hauptsächlich zu treffen sind, nämlich in der Moschee (im muslimischem Gemeindehaus), um das zu tun, was ein Chor eben gut kann, nämlich singen.

Bis zur konkreten Ausführung der Idee verging ein halbes Jahr. Vorgespräche und Treffen der Verantwortlichen der beiden Seiten gingen hin und her. Jede Gruppe diskutierte mit den eigenen Mitgliedern (ich kann dabei nur für die Chorgemeinschaft sprechen) das Ob, Warum und Weshalb dieser Begegnung.

Letztendlich ging es um die Frage, wie viel Abgrenzung jede einzelne Person braucht, um sich jetzt oder später (einwenig) dem Fremden öffnen zu können.

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2 Antworten zu Singen und interkulturelle Begegnung

  1. Maria sagt:

    Für die Idee, in der Moschee zu singen, sind wir alle, die am 6. Jänner mit dabei waren, dir liebe Hermine, sehr dankbar. Es war ein sehr gelungener Abend und ich glaube, es wurden auf beiden Seiten einige Vorurteile begraben. Man konnte sich über alles unterhalten und wir haben auf unsere vielen Fragen auch fundierte Antworten bekommen.
    Die Atmosphäre war sehr herzlich und gut gefallen hat mir, dass ein paar junge Burschen spontan für uns getanzt haben. Die bekannt gute Bewirtung habe ich sehr genossen.

    Maria Kafka

  2. Ida Dehmer sagt:

    Liebe Hermine,
    ich freue mich, dass die Idee mit dem Abend in der Moschee in die Tat umgesetzt worden ist. Gratuliere dir dazu!
    Ida

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