Selbstbestimmt und Solidarisch: Bundeskongress der Grünen in Wien 2014

Als neue Delegierte des Bezirks Freistadt konnte ich am 29. und 30. 11. am BUKO der Grünen erstmals teilnehmen. Die Stimmung war ausgezeichnet, bedingt durch die Wahlerfolge in Serie, mit den Regierungsbeteiligungen in Kärnten, Salzburg, Tirol und Vorarlberg.

Ich bin froh und dankbar für diese Gelegenheit zur politischen Weiterbildung auf hohem Niveau und in großer Vielfalt. Froh bin ich auch, dass ich die SpitzenkandidatInnen und viele MandatarInnen aus ganz Österreich und auch der EU erleben und teilweise kennenlernen durfte. Durch diese fachkundigen, engagierten und offenen Menschen bekommt für mich Grüne Politik  ein zunehmend persönliches Gesicht, und die qualifizierten Beiträge erweitern meinen Horizont.

Worin und wie zeigt sich Grüne Politik?

    1. Leitanträge

      Der erste Antrag „Selbstbestimmt und Solidarisch in einer Welt im Wandel“ weist mit Respekt auf die sozialen Standards hin, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts errungen worden waren. Allerdings werden diese Standards den neuen Lebensrealitäten mit einem Arbeitsleben voller Brüche, mit einer neuen gesellschaftlichen Vielfalt nicht mehr gerecht. Den Leitantrag stellten am Samstag Judith Schwentner und David Ellensohn, die ihn federführend verfasst hatten, anschaulich vor.

      Eckpfeiler einer Grünen Sozialpolitik sind unter anderem:

      • Ein einheitliches Pensionssystem, das aus einer steuerfinanzierten und existenzsichernden Grundpension von ca. € 850,00 und aus einer Versicherungspension besteht. Beide Pensionsteile zusammen sind in der Höhe gedeckelt.
      • Ein gesetzlicher Mindestlohn von € 8,50 pro Stunde
      • Wohnraum ist ein menschliches Grundbedürfnis. Deshalb braucht es ein neues Mietrecht, das die Grundlage für leistbares Wohnen für alle schafft.
      • Leistbare Mobilität, wie z.B. das Wiener Jahresticket von € 365,00
      • Gelebte Inklusion, die sich in Integrationsangeboten vom ersten Tag an (siehe auch AsylwerberInnen!) zeigt.
      • Ein faires Bildungssystem, bei dem Bildung im Kindergarten (Elementarpädagogik!) beginnt und bis zum Ende der gesetzlichen Schulpflicht gemeinsam mit allen Kindern gestaltet wird.

      Solidarische Politik ist eine Querschnittmaterie, die in viele andere Politikbereiche greift. Sie setzt auf systemische Lösungen, auf ökosoziale Komponenten wie Umwelt- und Klimaschutz, auf eine nachhaltige Energieversorgung und auf eine Wirtschaft, welche den Bedürfnissen der Menschen und der Regionen entspricht. Die Grünen wollen sie gemeinsam mit einer Europäischen Union, die sich zunehmend zu einer Sozialunion entwickelt, verwirklichen.

      Werner Kogler und die drei Abgeordneten zum Europaparlament Ulrike Lunacek, Michel Reimon und Monika Vana stellen den Leitantrag „Für einen fairen und vernünftigen Handel“ vor.

      Vor der Abstimmung erklärt Finanzsprecher Werner Kogler, warum der Resolutionsantrag so wichtig ist. Leider ist es wieder einmal so, dass die Bundesregierung in der Causa TTIP zwar verbal dagegen auftritt, in den Verhandlungen zu TTIP in den europäischen Gremien aber nichts davon zu hören ist. Im Gegenteil – dort begrüßen sie TTIP sogar.

      Die berüchtigten Handelsverträge TTIP, die kanadische Version CETA und die Dienstleistungs-Vereinbarung TiSA stellen nur die Spitze eines Eisbergs von bereits abgeschlossenen Investitionsschutz-Abkommen zugunsten von Konzern-Interessen dar. Auch Österreich ist an solchen unfairen Abkommen im Handel mit Ländern des Südens beteiligt.

      Diese „Freihandelsabkommen“ untergraben demokratische Strukturen und zivilgesellschaftliche Mitbestimmung. Sie gefährden die Absicherung zentraler Lebensbedürfnisse, wie zum Beispiel ökologische, soziale und biologische Standards in Lebensmitteln, und bei Dienstleistungen im Sozial- und Gesundheitsbereich.

      Wir Grüne wollen einen fairen Handel, zivilgesellschaftliche Mitbestimmung, hohe Standards und Transparenz und nicht Privilegien für Lobbyinteressen von Konzernen!

      Auch den letzten Antrag „Wir stärken Frauen in der Politik“, den Eva Glawischnig und Berivan Aslan vorstellen, nehmen die Stimmberechtigten mit Begeisterung auf und – mit einer Gegenstimme – an.

      Kurz und bündig, soll ein Bonus-Malus-System zur Stärkung von Frauen in der Politik beitragen. Jene Parteien, deren Frauenanteil im Nationalrat unter 50% liegt, sollen im Rahmen der Parteien-, Klub- und Parteiakademiefinanzierung spürbare finanzielle Abschläge erhalten.

        2. Über den Tellerrand schauen

          Grüne Politik zeigt sich auch in der Bereitschaft, von Menschen in den Kriegsgebieten des  Nahen und Mittleren Osten zu hören. Eine Gruppe von Kurdinnen und Kurden brachte uns die verzweifelte Lage der dort lebenden Menschen nahe und bedankte sich für Hilfe und Solidarität der Grünen.

            3. Haupt-Rednerinnen

              Ganz besonders repräsentierten die vier Haupt-Rednerinnen am Kongress Grüne Politik.

              Den Anfang machte am Samstag Maria Vassilakou, Wiener Vizebürgermeisterin und Verkehrs-Stadträtin, gefolgt von Ulrike Lunacek, Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, und am Sonntag die Parteivorsitzende Eva Glawischnig und zum Abschluss Ska Keller, die Spitzenkandidatin der Europäischen Grünen.

              Jede Rednerin war in ihrem Charisma und ihrer Kompetenz, ihrer Fähigkeit, die Zuhörenden an ihren Erfahrungen und Expertisen teilhaben zu lassen, einzigartig.

              Maria Vassilakou wies auf die vorher utopisch erschienenen, in harter Regierungsarbeit  erfolgreich umgesetzten Vorhaben der Wiener Grünen hin, wie z.B. die Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße, das Öffi-Jahres-Ticket. Ihre Hauptaussage ist: Wien soll zur Grünen Hauptstadt Europas werden.

              Ulrike Lunacek bedankte sich nochmals für die Unterstützung bei den EU-Wahlen im Mai. Sie erklärte die Themenbereiche, an denen sie selbst, Michel Reimon und Monika Vana arbeiten, und skizzierte ein Europa, das zur Sozialunion werden kann und werden muss.

              Eva Glawischnig erzählte am Sonntag, wie sie als Jugendliche vom scheinbar unaufhaltbaren Erfolg der FPÖ beeindruckt und auch geängstigt war. Die FPÖ ist zutiefst diskreditiert und in keiner einzigen Landesregierung mehr vertreten. Nun sind es die Grünen, die von einem Wahlerfolg mit Regierungsbeteiligung zum nächsten gehen!

              Ska Keller wies in ihrer Rede darauf hin, dass Handel nicht nur dem  wirtschaftlichen, sondern auch dem kulturellen Austausch und dem Wissenstransfer ermöglichen kann. So ein Handel dient den Menschen, den Kommunen und den Regionen. Aber ein Handel, welcher der Gewinnmaximierung alle ethischen, menschenrechtlichen und ökologischen Standards opfert, gefährdet unser aller Zukunft auf dem Planeten Erde.

              Abschließendes Resümee

              Ich komme persönlich und inhaltlich gestärkt heim. Die vielen Impulse und Inhalte werden mir in der Aufarbeitung und im Einarbeiten in mein politisches und persönliches Engagement noch lange Kraft und „Nahrung“ geben.

              Trotz des dichten Programms war der Ablauf ruhig und entspannt. Das Zeitmanagement durch das jeweilige Präsidium war exzellent. Streng manchmal, aber immer humorvoll.

              Bei der Einladung am Samstagabend ins Badeschiff konnte ich nur beanstanden, dass die Tanzfläche für uns begeisterte Tänzerinnen – auch einige Tänzer wagten sich dazwischen –  größer hätte sein können. Das Schiff bot nochmal eine phantastische Zeit für Austausch und persönliche Gespräche.

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              Abschlussfeier MOTS DE PARTICIPANTE Dr. Esther NSOMBO BOLAZA

              Formation avec Madame Hermine (journée de clôture)

              La Caritas a organisée une formation, pour l’amélioration des soins de la personne du troisième âge ;  qui vit dans les hospices a la quelle nous avons participé.

              La formation a consiste a des expériences existentielles de la vie, dont il faut se mouvoir.  Aider la personne du troisième âge à retrouver la sensibilité profonde de bien être, pour mieux vivre à côté de ses douleurs par des mouvements et interaction.

              A l issue de cette formation nous avons constate que la personne du troisième âge ne vit pas seulement dans les hospices,  mais vit aussi ailleurs c’est-a-dire dans nos familles.

              Á l’instar de centre pédiatrique qui s’occupe des soins des enfants, aussi vrai que les soins des enfants sont spécifiques  de même que les soins de la personne du troisième âge sont aussi spécifiques.  D’où l’importance de créer un centre gériatrique quasi inexistant dans notre pays, pour soigner la personne du troisième âge congolaise, qui vit en dehors des hospices à l’instar de ceux du monde pour bénéficier des soins appropries à leurs âge.

              En ce siècle ou l’espérance de vie du congolais est augmentée d’environ 10 ans selon l’OMS, la vieillesse n’est pas une corvée et elle ne peut pas être vécue comme telle.

              Nous sommes conscients de manque d informations qu’à la personne du troisième âge congolaise, en rapport avec son âge comment le vivre quels sont les mouvements à faire et a ne pas faire comment se mouvoir etc.

              Ce centre gériatrique qui se fixera comme objectif de répondre aux préoccupations, de la personne du troisième âge congolaise à l’instar de ceux du monde ; à lui donner la joie de vivre heureusement sa vieillesse qui est une grâce exceptionnelle.

              C’est pour nous une façon de vous dire merci et de vous être reconnaissant de ce que nous sommes.

              Nos remerciement à la Caritas, à madame Hermine Moser professeur pour les métiers des soins entraineur kinaesthetitique.

              Dr. Esther NSOMBO BOLAZA
              0818292248 0997168425
              esthernsombo@gmail.com.

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              Abschlussfeier ALLOCUTION de Patrick Kasasi

              ALLOCUTION A L’OCCASION DE LA REMISE DES BREVETS DE LA FORMATION SUR

              L’INTERACTION  DANS LES SOINS GERIATRIQUES
              La methodologie attentive des mouvements et des touchements et l´effect sur la santé

              Monsieur le Secrétaire Général du Ministère des Affaires Sociales et Solidarité Nationale, Monsieur le Directeur National de la Direction d’encadrement des Personnes de Troisième Age, Madames et Messieurs les Directeurs et Directrices des Homes des vieillards,
              Madames et Monsieurs le Responsable de la Caritas Kinshasa
              Distingués invités et chers Collègues.

              Durant cinq semaines, nous, Filles et Garçons des salles, kinésithérapeutes, médecins et autres agents en charge des vieillards  avons suivie la formation sur l’interaction dans les soins gériatriques à l’hospice Saint Pierre, formation assurée par madame HERMINE MOSER, Infirmière Diplômée,  Professeur pour les métiers de soins, Entraineur Kinaesthetics, Développement de la santé et  Formation interculturelle.

              Tout au long de la formation nous avons appris à comprendre la personne dans son intégralité et non seulement se limiter de voir et de soigner les déficits du corps. Pour ce,  « SE MOUVOIR » constitue une des bases centrales de la vie humaine car l’expérience et la perception du propre mouvement encourage la qualité des soins de sa propre santé et celle de l’autre. Bref les mouvements faites avec une attention accrue améliorent la qualité de la vie et l’autonomie.

              Nous voici aujourd’hui à la fin cette formation qui est en réalité est pour nous le commencement d’une nouvelle expérience professionnelle, nous tenons donc, à remercier nos autorités pour cette opportunité bien importante, nos remerciements vont également à Caritas Kinshasa pour avoir pensé aux vieillards en organisant cette formation, nous remercions aussi  l’hospice Saint Pierre surtout la Sœur Julie pour son hospitalité, et enfin nous sommes très reconnaissant à l’égard de Madame Hermine pour sa disponibilité , son sens de bénévolat et sa ferveur dont elle a fait montre en notre faveur.

              Nous osons croire que, celle ci n’est pas une dernière et nous souhaitons que pareilles formations aie lieu régulièrement pour permettre un partage d’expérience entre différents hospices.

              Merci de votre attention.

              Patrick Kasasi
              Garcon de Salle, Journaliste

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              24 Stunden mit einer obdachlosen jungen Frau

              13. 12. Thérèse hatte ich schon einmal bewusst wahrgenommen, war zurückgegangen, um ihr etwas Geld zu eben, obwohl sie nicht gebettelt hatte. Gestern, Sonntagmorgen, sah ich sie, wie sie mit mehreren Plastikflaschen mit Wasser ihre Wäsche wusch, Wasser draufleeren, einseifen, Wasser draufleeren zum Abspülen der Seife. Mühsam. Ich bot ihr an, ihre Wäsche bei uns in der Waschmaschine zu waschen, aber erst am Abend, wenn ich wieder heim komme. Das tat ich dann auch. Ich holte alle ihre Sachen, gab ihr von mir eine Decke, weil sie sonst auf dem nackten Betonboden hätte schlafen müssen. Die Torhüter in der Wohnanlage kannten Thérèse und wussten, dass sie schon über ein Jahr auf der Straße lebte. Ihre Geschichte ganz kurz: Sie stammt aus Kisangani, kam zu Verwandten nach Kinshasa, die sie aber dann verjagt hätten. In Kisangani hätte sie ihre Mutter, aber es fehle das Geld für die Reise.

              Es begann zu regnen und es regnete die ganze Nacht tropenmäßig. Ich dachte an Thérèse.

              Am Morgen stand sie in meine rote Decke eingewickelt in ihrem Eck und bedeutete mir „Hunger“. Ich lud sie ein ins Auto zu steigen und nahm sie mit zur Procure, in diesen Komplex, der Bank und Hotel und noch manches mehr ist. Dort setzte ich sie an den Frühstückstisch, richtete ihr Tee und Brote – ich bemerkte, dass sie nicht wirklich sich zu bedienen wusste. Während sie frühstückte, erledigte ich meine Sachen, holte sie wieder ab und nahm sie mit nach St. Pierre. Dort brachte ich sie in mein Zimmer, und ich widmete mich meiner Arbeit, dem Unterrichten. Sie konnte sich ausruhen und sich trocknen. Nach der Schulung begleitete ich sie – vorher hatte ich sie gefragt, ob sie das wolle – in ein Aufnahme-Haus für Straßenmädchen. Von diesem wusste ich durch Franciska, die ich in einem der Hospice kennen gelernt hatte. Aber Thérèse konnte dort nicht bleiben. Es werden nur Mädchen, die unbegleitet kommen, aufgenommen. Also zurück nach Gombe zu ihrem Platz am Straßeneck. Ich gab ihr noch das Geld für den Transport am nächsten Tag, wenn sie allein in das Aufnahmezentrum fahren würde, und wünschte ihr eine gute Nacht. Es war trocken.

              Wie ging es weiter? Thérèse ging nicht in das Aufnahme-Haus sondern blieb auf der Straße. Mich wollte sie als Unterstützerin behalten. Das ging aber nicht. Meine „Sozialarbeits-Kraft“ war begrenzt, und mein Aufenthalt ebenso.

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              Schwimmen im Fleuve

              Am letzten Sonntag, den ich hier in Kinshasa verbringe, will ich endlich den Ausflug nach Mbudi direkt am Kongo-Fluss machen. Ich treffe mich mit Dr. Freddy, für den Hans das Mikroskop mitgebracht hat – danke an die Spender! – seiner Frau Marie Josée und ihren beiden kleinen Kindern Triompf und Danielle. Mit dem 4jährigen Triumpf verstehe ich mich besonders gut. Es ist nett, wie offen er mit mir plaudert. Er nennt mich „Mundele Hermine“, vielleicht meint er, das sei ein besonders ehrenvoller Titel. Die 8monatige Danielle hatte gerade einen Malaria-Anfall überstanden, der einen Krankenhaus-Aufenthalt nötig machte. Sie war immer noch schwach. Es ist unglaublich, wie präsent diese Krankheit ist!

              Wie immer fasziniert mich der Fleuve. Heute bin ich ganz nahe am Wasser, ich könnte rein gehen, hab aber keine Schwimmsachen dabei, kein Handtuch. Lange überlege ich. Es ist Sonntag, ich bin sonntäglich gekleidet. Am Abend will ich noch in ein Konzert, davor komme ich nicht nachhause um zu duschen und mich umzuziehen. Aber dann weiß ich, dass diese Erfahrung eben jetzt zu machen ist und vielleicht nicht wieder kommen wird. So gehe ich einfach rein in den Fluss. Fein ist die Badewasser-Temperatur. Es ist angenehm zu spüren, wie die Kleider sich mit Wasser voll saugen und um den Körper streichen, diesen streicheln. Und dann schwimme ich wirklich mit dem größten Vergnügen. Ich werde auch gut beobachtet. Als ich etwas weiter raus schwimmen will, werde ich zurück gerufen. Der Fleuve ist bekannt für die gefährlichen Strudeln, welche in einem bestimmten Abschnitt die Schifffahrt unmöglich machen, und welche immer wieder Menschen in die Tiefe ziehen. Sr. Hildegard hatte mir erzählt, dass sie selber einmal Zeugin wurde, wie ein junger sportlicher Mann in so einem Strudel verschwand. Er wurde Tage später tot aus dem Fluss gezogen.

              Aber ich stieg heil aus dem Wasser und trocknete mich auf den warmen Steinen liegend in der Sonne.

              Später speisten wir köstlichen Fisch. Während Triompf am Spielplatz spielte und Danielle zufrieden auf einer Decke auf dem Boden saß, halfen Freddy und Marie Josée mir, den Ablauf der Abschlussfeier anlässlich der Zertifikatsverleihung am kommenden Mittwoch zu planen. Marie Josée ist Musikerin und Sängerin und wird mit ihrer Gruppe die Feier umrahmen.

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              Kunsthandwerk kaufen

              Ein junger Mann bietet schöne antike Stücke an.
              Er MUSS verkaufen, am Montag sind die Schulgebühren für seine beiden Kinder fällig. Das zweite Trimester hat begonnen, dreimal jährlich ist zu zahlen. Ich kaufe einige Holzskulpturen.
              Hatte ich eine Kaufabsicht? NEIN.
              Gefallen mir die Stücke? JA.
              Werde ich einen passenden Platz für sie finden? NAJA.
              Glaube ich ihm seine Geschichte? JA

              Ein älterer Mann spricht mich an, der aus Ebenholz selber Skulptoren schnitzt. Er MUSS verkaufen, um die Medikamente für seine kranke Frau bezahlen zu können.
              Hatte ich eine Kaufabsicht? NEIN.
              Gefallen mir die Stücke? JA.
              Werde ich einen passenden Platz für sie finden? NAJA.
              Glaube ich ihm seine Geschichte? JA.

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              Sesam öffne dich. Aber nur für das Auto.

              Wenn ich an das schwere Eisentor in der Avenue du Syndikat Nr. 9, wo ich wohne, klopfe, werde ich recht rasch gehört. Kurz guckt ein Torhüter durch das Guckloch und öffnet das Tor für mich. Das war nicht immer so. In der ersten Zeit, als ich eingezogen war, klopfte ich mir manchmal fast die Finger wund, bis man mich endlich rein ließ. Ich erkläre mir das so, dass es für die Torhüter absolut ungewöhnlich ist, wenn jemand zu Fuß das Gelände betritt oder verlässt. Wirklich alle fahren rein und auch raus. Die Regel ist: Wer rein will, hupt, und dann – Sesam öffne dich. Das Klopfen mit den Fingerknöcheln als Wunsch, reingelassen zu werden zu verstehen, war nicht eingespeichert und so wurde das Klopfen auch nicht wahrgenommen. Inzwischen kennen aber alle die Mundele (Weiße), die fast immer zu Fuß rein und auch raus geht und reagieren auf mein Klopfen.

              Gestern sprach mich ein Torhüter an und meinte wohlwollend-freundlich, ich möge doch, wenn ich mit dem Taxi ankäme, reinfahren und nicht draußen vor dem Tor aussteigen. Das wäre nicht sicher. Als ich ihm erklärte, dass ich mit Öffis unterwegs sei, konnte er das fast nicht glauben, das wäre doch „viel zu gefährlich“. Davon merke ich aber gottseidank nichts. Wie gesagt, den einzigen Unfall hier in Kinshasa hatte ich nicht in den gefährlichen Straßen, sondern in der Küche, als ich mir die Fußsohle empfindlich verbrannte. Aber das ist schon wieder Geschichte, alles abgeheilt.

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              Wie konsistent ist „Kultur“?

              Heute bearbeitete ich in der Schulung das Thema „Unterstützung bei der Körperpflege“. Hier sind  Waschlappen für die Körperpflege nicht gebräuchlich. Um die alten Leue zu waschen, werden sie mit viel Wasser, das mit beiden Händen aus dem Kübel geschöpft und über den Körper geschüttet wird – der Fließen Boden macht’s möglich – und einem Lappen aus Plastikgewebe, Verschnitte der großen Säcke, in denen Reis, Maniok etc. eingekauft wird, und mit viel Seife geschrubbt. Mit solchen Lappen werden auch Töpfe und Pfannen, Waschbecken etc. geschrubbt. Die Putz-Intensität, die man den alten Leuten angedeihen lässt, ist ähnlich.

              Um meine Idee einer etwas sanfteren Reinigungsorgie rüberzubringen, hatte ich viele weiße Socken gekauft, gebraucht natürlich auf dem Straßenmarkt. Zwei Socken um 100 Kongolesische Francs. Zum Vergleich: Waschlappen hatte ich für über 500 Francs gesehen. Ein Tennissocken erfüllt den gleichen Zweck und kostet 1/10.

              Ich war also gut vorbereitet und brauchte nur noch ein Modell in Form eines Kursteilnehmers, der bereit ist, seinen Oberkörper frei zu machen für die Erfahrung, in langen klaren und tempomäßig angepassten Strichen bzw. Streichungen den eigenen Körper wahrzunehmen. Da stieß ich aber auf Granit. Alle weigerten sich, als Modell zu fungieren. Mir wurde mit viel Pathos erklärt, die kongolesische Kultur ließe es nicht zu, Haut zu zeigen!

              Einig waren sich die Teilnehmenden, ich möge doch einen alten Menschen für die Prozedur holen. Mir blieb der Mund offen stehen vor Unglauben, wie mit diesem angeblichen kulturellen Nogo umgegangen wurde! (Was für mich schlecht ist, kann für dich noch lange gut genug sein!?)

              Schließlich gelang es mir, doch noch einen Freiwilligen für die Aktion zu finden. Ich versprach Aristote, einem Volontär in St. Pierre, die Sandalen von Hans, wenn er sich zur Verfügung stellt. Mit Hilfe dieser Bestechung – ich lerne, mit allen Mitteln zu arbeiten –  konnte ich die Lernsequenz recht gut durchführen, und Aristote war schließlich, obwohl er die Sandalen noch nicht erhalten hatte, ganz zufrieden mit der Erfahrung! Es ist ja auch wirklich gut, durch klare Berührung den eigenen Körper wahrzunehmen, zu erleben, wie die einzelnen Körperteile sozusagen nachgeformt werden durch behutsame und geschickte Hände.

              Das Witzige kam aber später. Im Anschluss an das Thema Körperpflege zeigte ich verschiedene Einreibungen, z. B. Bauch (Verdauungsbeschwerden), Rücken (Atemstimulierung), Gelenke (Schmerzregulierung). Da war plötzlich die Skepsis vor dem Haut zeigen vergessen. Die Teilnehmenden konnten gar nicht schnell genug ihre Bäuche, Rücken, Knie etc. frei kriegen, um sich gegenseitig die Einreibungen zu geben. Zur Freude trug auch das gute Olivenöl, von mir mit wohlriechenden Aromaessenzen versehen, das ich zur Verfügung stellte, bei. Sie aalten sich so richtig im „Bienêtre“. Sogar die strikte Gleichgeschlechtlichkeit wurde hie und da aufgegeben, Hauptsache soviel Berührung wie möglich bekommen. Schön war das für mich mitzuerleben!

              Fazit: Es soll mir nie (mehr) jemand mit der Kulur- oder Mentalitätskeule kommen. alles ist eine Frageder Erfahrung. Siehe: „Aktivitäten und existentielle Erfahrungen des Lebens“.

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              Kinaesthetics: Das Gleichgewicht im eigenen Körper regulieren können

              Heute war ich mit dem Sozialdienst unterwegs zu behinderten Kindern, die daheim leben. Sehr zu Herzen gehend, was ich alles gesehen habe. Und dann erlebe ich, dass Kinaesthetics, in dem ich Expertin bin, unmittelbar Unglaubliches bewirkt. Mit einfachen Mitteln, „einfach“ in Interaktion über Bewegung und Berührung treten und natürlich von Bewegung was verstehen. Das fehlt. Aber natürlich nicht nur hier. Überall, wo Kinasthetics fremd ist, und wo nicht ausnahmsweise ein Naturtalent in Bezug auf Bewegungsverständnis und Interaktionsbereitschaft am Werk ist, bleiben Potentiale ungenutzt, zum Schaden für Betroffene. Aber es weiß ja niemand, was ihnen entgeht …
              Z.B. ist ein 13jähriger Bub, der nur mit Mühe auf allen vieren herumrobben kann, mit mir gegangen! Einfach auf seinen Füßen gestanden und hat mit meiner Hilfe Schritte gemacht, sein Gleichgewicht im Körper in aufrechter Position selber gefunden!

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              Umgezogen

              Der Umzug ist gut gegangen, auch dank Schwester Hildegard vom Cafe Mozart hier in Kinshasa.
              Wenn irgendjemand von euch mal nach Kinshasa kommt, bitte besucht das Cafe Mozart und konsumiert ordentlich. Mit dem was reinkommt wird das Haus für die Straßenkinder erhalten. Und zusätzlich bekommen die Mädels dann nach der Pflichtschulzeit eine Ausbildung als Bäckerin, Konditorin, Serviererin, Friseurin.
              Darüber hinaus hilft Sr. Hildegard einfach, wenn jemand Hilfe braucht, z. B. ich mit den Frauen aus Goma für den Umzug heute.
              Der Bus, mit das Brot ausgeliedert wird, kam um 10:30 Uhr nach Kabinda, dort wo die Frauen mit ihren 8 Kindern sehr prekär lebten. Zuerst kamen die ganzen Sachen in den Bus rein, dann wurden die 8 Kinder, soweit sie nicht auf den Rücken ihrer Mütter gebunden sind, dazwischen gestopft, und zum Schluss kletterten noch wir Frauen hinein. Es war eine lustige Fahrt durch die Stadt in die Banlieus von Kinshasa. Die Kinder waren ganz aufgeregt, sie hatten von der Stadt bisher kaum was gesehen. Ich als Mundele (Weiße) dazwischen sorgte für Aufsehen bei den dahinter und daneben fahrenden Fahrzeugen.
              Das „tres belle maison a trois chambres“ stimmte mich dann doch etwas wehmütig … Ca c`est tres belles?

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